Vielleicht haben wir in diesem Jahr Glück, der Sommer besinnt sich endlich darauf, dass wir hierzulande weder in den Tropen noch in Grönland sind, und beschert uns noch schöne, malerische Tage, so richtig zum kreativen Genuss draußen in der Natur.
Auf meinem meteorologischen Wunschzettel steht: Nicht zu heiß, damit die Farbe nicht gleich trocknet; nicht zu feucht, damit sie überhaupt trocknet; nicht zu grell, damit man auch ohne Sonnenbrille und ohne zu blinzeln in die Gegend gucken kann; nicht zu dunstig, damit sich auch in der Ferne etwas zeigt.
Und wenn diese Wünsche in Erfüllung gehen, liegt nichts näher, als den Malkoffer zu packen (oder zumindest Skizzenblock und Farbstifte einzustecken) und die Freude am Malen dort zu genießen, wo sich die schönsten Motive in voller Wirklichkeit zeigen: draußen in der Natur, auch auf einem pittoresken Marktplatz: oder warum nicht auch an einem der berühmten Aussichtsplätze, vor denen sich berühmte Szenerien ausbreiten. Dann allerdings am liebsten bei einem Ausflug gemeinsam mit Malerfreunden.
Denn auf mich selbst gestellt, habe ich ein gewisses Problem mit gut besuchten Plätzen: Hierzulande gilt schon als Attraktion, wer nur die Staffelei aufbaut. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht; ich jedenfalls finde es nicht besonders lustig, wenn mir wildfremde Leute beim Malen über die Schulter schauen. Ich fühle mich befangen und unter Druck. Ich möchte selbst bestimmen, wem ich zeige, was und wie ich male.
In anderen Ländern ist das alles kein Problem: In Frankreich, Holland, Italien und vor allem in England stehen oder sitzen an malerischen Orten allenthalben Maler vor ihren Staffeleien; oder haben zumindest ihren Zeichenblock auf dem Knien. Völlig unbekümmert wird am Flussufer, im Park oder auf der Piazza skizziert und gepinselt, und kaum ein Einheimischer wird mehr als einen schnellen Blick riskieren. Auch ganze Schulklassen werden aus den Zeichensäle an die frische Luft befördert, um an „wirklichen“ Motiven zu üben.
Diese Tradition fehlt uns hierzulande ganz und gar. Doch es gibt einen Ausweg, dem Leistungsdruck zu entkommen, und dieser steht unter dem Motto steht: Gemeinsam sind wir stark. Wenn eine Gruppe malt, erlahmt erfahrungsgemäß die Neugier. Man gilt nicht so sehr als einzelner Künstler, sondern als Teil einer Malklasse, die etwas lernen will und deshalb nicht so sehr interessant für Zuschauer ist. Jedenfalls ist das meine Vermutung. Doch abgesehen davon: Es macht es oft einfach viel mehr Spaß, mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein, sich auszutauschen und gegenseitig zu motivieren. Und wenn der Termin für einen gemeinsamen Malausflug mal steht, kann man sich davor auch nicht mehr so leicht drücken …
Herzlichst, Ihre
Christine Asal
Malen in der Natur